Als ich mich 1999 bei der MIS beworben hatte (Die MIS wurde 2003 von Systems Union Group gekauft, diese 2006 von infor), war in der Stellenanzeige sinngemäß die Rede davon, dass man den Kunden nicht Konfektions-Ware von der Stange verkauft, sondern maßgeschneiderte Lösungen. Das hatte mich sehr angesprochen, wobei ich nicht die geringste Ahnung von BI oder OLAP hatte. Ich sehe mich in meiner Tätigkeit als “Handwerker”, mit Expertenwissen. Und ich verwende die Werkzeuge, die es mir ermöglichen, meine Ideen und meine Architektur effektiv und effizient umzusetzen. Meine Kunden sollen gut sitzende Maßanzüge bekommen, wobei die Garderobe ständig erweitert und angepasst werden kann. Handwerk mit einer Nähmaschine statt automatisierter Produktion am Fließband.

Konfektionskleidung ist preiswerter und ich kaufe sie, wann immer das möglich ist (also immer). Meine vermieteten Häuser sind “von der Stange”. Mein eigenes Haus sollte ein befreundeter mexikanischer Architekt entwerfen, sein deutscher Partner-Architekt hat beim Kosten-Controlling versagt und letztendlich habe ich “ein pragmatisches Haus” selbst entworfen, von Profis bauen und finanzieren lassen. “Das ist aber keine Architektur”, lautete die Kritik des Mexikaners. Da hat er recht, es ist ein pragmatisches deutsches “Nikolaus-Haus” - mit spitzem Dach, quadratisch, praktisch, gut. Manches würde ich im Nachhinein anders machen.

Nun habe ich für meine BI Lösungen weder eine Manufaktur noch eine Fließband Produktion. Mein Geschäftsmodell ist die Maßarbeit. Automatisierung am Fließband wäre “der Feind”, wenn mir dadurch die Arbeit ausginge (geht sie aber nicht). Das ist nicht viel besser als “BI-Fabriken in Indien”, was ja immer wieder versucht wird und meistens nicht funktioniert. In meinen BI Lösungen bin ich Architekt und Baufirma. Es gibt immer irgendwelche Einschränkungen: Da ich mit der Microsoft Plattform arbeite, muss ich beispielsweise diesen Kontext mit all seinen Einschränkungen akzeptieren.

Ich benutze Werkzeuge, die mich bei Arbeit unterstützen. Ich habe mir auch diverse Werkzeuge zur “Automatisierung” angeschaut, und bis auf den AnalyticsCreator sind sie alle durchgefallen, weil sie meine Freiheit zu stark einschränken.

Wenn der AnalyticsCreator “DWH Automatisierung” verspricht, dann klingt das erst einmal gefährlich. Allerdings nutze ich den AnalyticsCreator nicht zur “DWH Automatisierung”, sonder eher zur “Coding Automation”: Ich entscheide selbst, wann und was der AC automatisieren darf und vor allem: wann und was nicht. Importe von Datenquellen erstellen, SCD2-Historisierungen automatisch erstellen, Refactoring von Datentypen, Namen usw., das automatische Erstellen von SSIS Projekten und XMLA Dateien, und vieles mehr, das schränkt mich in meiner Freiheit nur unwesentlich ein, befreit mich von stupider und wenig kreativer Arbeit, und es gibt mir die Möglichkeit, mich auf das zu konzentrieren, was mir in meiner Arbeit gefällt. Es gibt dazu einen Faden im Forum: DWH Automation vs Codung Automation

Wenn der Hersteller des AnalyticsCreator den Prozess mit der Automatisierung der Automobilproduktion durch Ford vergleicht, dann empfinde ich das eher als eine Bedrohung. Ich sehe allerdings gute Möglichkeiten, Prozesse zu standardisieren, statt zu automatisieren. So wie ich meine eigene Vorgehensweise in verschiedenen Projekten anwende, bekommen auch und gerade Beratungshäuser die Möglichkeit, Prozesse zu standardisieren, “Beste Vorgehensweisen” zu definieren, Mitarbeiter könnten einfacher in bestehende Projekte eingearbeitet werden. “DWH nach Kochbuch mit dem AnalyticsCreator” würde mir besser gefallen, als “DWH am Fließband wie in der Massenproduktion von Autos”. Mir fällt dabei der “Thermomix” ein, den sogar Schüler in Koch-Arbeitesgemeinschaften verwenden. Und ich sehe im Thermomix keine Bedrohung für einen Koch-Profi, sondern die Möglichkeit, Intereressenten an das Kochen heranzuführen.

Ich kenne aus der Vergangenheit verschiedene Projekte, in denen ein Praktikant oder Junior-Consultant die monotone, wenig kreative Arbeit erledigen musste. Hunderte Importe, Historisierungen, .. Und hinterher muss man man auch noch kontrollieren, ob nicht geschlampt wurde. Noch öfter gab es keinen Junior-Consultant und ich musste diese Arbeit selbst erledigen. Man kann das vielleicht auch positiv sehen, wie einen Meditations-Prozess, es wird ja auch bezahlt. Und es wird trotzdem irgendwann langweilig. “AnalyticsCreator statt Junior-Consultant” trifft es ganz gut.